Gedanken eines Rentners
In unregelmässiger Folge erscheinen hier die Gedanken eines Rentners. ©Thomas Küng

Gedanken eines Rentners #17: Eigentlich wäre sie ja an die ärztliche Schweigepflicht gebunden, sagte mir die ältere Dame, zu der ich mich an einem der ersten Frühsommerabende in der Gartenwirtschaft gesetzt hatte, aber er habe ihr erlaubt, darüber zu sprechen. Es würde ihn offenbar sogar entlasten, wenn wir wüssten, was in ihm vorgehe. Von wem sie denn spreche, fragte ich. "Ah, das können Sie ja gar nicht wissen," sagte sie lächelnd, sie sei seit vielen Jahren die Psychiaterin Gottes. "Die Psychiaterin Gottes?" sagte ich ungläubig. Sie bejahte mit einem leisen Nicken. Ja, zunehmende Selbstzweifel und depressive Verstimmungen hätten ihn vor vielen Jahren dazu gebracht, die ganze Geschichte aufarbeiten zu wollen. Verdrängung sei ein grosses Thema. Zu lange habe er sich blenden lassen von allem, das sich wunderbar entwickelte, zu lange nicht wahrhaben wollen, dass da mehr und mehr aus dem Ruder lief. Er sei so unglaublich stolz und glücklich gewesen über das ganze Universum, wie da vom Kleinsten bis ins Grösste alles funktionierte, sich selber entwickelte, regulierte und differenzierte, wie vom Einzeller bis zum grössten Sonnensystem einfach alles so unendlich schön geworden war. Tagelang habe er sich nicht sattsehen können an seiner eigenen Schöpfung, stundenlang habe er den Tanz der Schmetterlinge verfolgt, über die übermütigen Seehunde gelacht, die Beweglichkeit der Nashörner bestaunt. Die Farbigkeit, die Vielfalt... einfach hingerissen sei er gewesen. Da sei immer stärker der Wunsch entstanden, diese Freude und Begeisterung zu teilen. Aber die Entscheidung, ein Wesen zu schaffen, das mit einem Bewusstsein ausgestattet ist, das diese ungeheure Schönheit und Vielfalt wahrnehmen und wertschätzen kann, sei halt vielleicht rückblickend doch ein fataler Fehler gewesen. Er habe dieses Wesen mit einem grossen Mass an Fähigkeiten ausgestattet, mit Intelligenz, mit der Fähigkeit wahrzunehmen, zu erinnern, zu verknüpfen, zu kommunizieren, weiterzuentwickeln... In Bezug auf die Eigendynamik dieser Entwicklung sei er aber offenbar viel zu naiv gewesen, habe das destruktive Potenzial völlig unterschätzt... In der Therapie komme nun lange Verdrängtes wieder an die Oberfläche. Dass er schon lange Anzeichen dieser Entwicklung kleingeredet und ignoriert habe, dass er die Menschen gegenüber seinen Mitgöttinnen und -göttern immer in Schutz genommen habe, dass er den Verantwortlichen für andere Sonnensysteme die Entwicklungen auf der Welt verschwiegen und beschönigt habe. "Kurz," sagte sie mit einem Lächeln, "ein desillusionierter, müder und enttäuschter alter Mann". Ob er denn sein Amt nicht abgeben und den Platz freimachen könnte für jemanden mit einer anderen Sicht auf die Dinge und mehr Lebensmut, vielleicht eine Frau, mit ganz anderen Lösungsansätzen? Das sei durchaus ein Thema, aber am "Loslassen" müsse noch viel gearbeitet werden, so schnell werde sich da nichts ändern. Unser Gespräch stockte und wir nippten beide nachdenklich an unseren Getränken. "Welches Wesen findet denn Gott im Nachhinein am Originellsten?", fragte ich zum Schluss. "Den Wiedehopf", sagte sie lachend. "Und welches muntert ihn am meisten auf?" "Das Eichhörnchen". 

Gedanken eines Rentners #16: Vorgestern bin ich im Wald dem Tod begegnet. Nachdenklich sass er auf einer Bank und zerbrach kleine Ästchen. Er sah nicht so aus, als ob er sich Gesellschaft wünschen würde, aber ich konnte mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Ich grüsste scheu und fragte, wie es ihm gehe. Nicht besonders gut, sagte er, es seien schwierige Zeiten. Was er denn damit meine, wollte ich wissen. So vieles habe sich geändert, seit er sein Amt angetreten habe. Ganz früher habe er einfach eine Liste erhalten und habe sich dann an die Arbeit gemacht. "Klar, es war immer schon belastend.", sagte er. "Mütter und ihre Kinder aus dem Kindbett zu holen, ganze Dörfer, die einer Seuche zum Opfer fielen, ehemalige Freunde, die sich wegen nichts die Köpfe einschlugen, geliebte Menschen, die ein Fieber nicht überlebten." Aber er habe es irgendwie immer nachvollziehen können. Unterdessen gebe es aber Mittel, so viele Menschen auf einmal aus dem Leben zu nehmen, dass er kaum mehr nachkomme. Und es sei nicht mehr nur der Chef, der die Listen mache, er erhalte die Zettel von ganz verschiedenen Stellen. Völlig willkürlich sei das geworden, aber holen müsse er sie trotzdem, könne das aber mit seinem Gewissen kaum mehr vereinbaren. Er habe sich schon ein paarmal beklagt, weiter oben, habe aber nie eine Antwort erhalten. Deprimiert sass er eine Weile da und fragte dann zu meiner Überraschung, was ich denn dazu meine. Ich war perplex und überfordert und sagte ihm, global könne ich dazu nur sagen, dass das politische und soziale Klima sich in den letzten Jahre so dramatisch verändert habe, dass ich nicht sehe, wie wir als Menschheit einen Weg finden können, da wieder rauszukommen. "Blablabla", sagte er, er habe nicht gemeint, ich solle meine halbausgegorenen Meinungen zum Besten geben, ganz persönlich sei die Frage gemeint. Beschämt schwieg ich eine Weile. Neben den hundert kleinen Sachen, sagte ich dann, den Berührungen und Bemerkungen im Alltag, dem Austausch von Gedanken und Erlebnissen, den beiläufigen Blicken und Gesten, sei es die Endgültigkeit, die mir am meisten zu schaffen mache. Wenn er einen geliebten Menschen geholt habe, sei das für immer, und das sei einfach sehr hart. "Interessant," sagte der Tod, ja, das könne er nachvollziehen. Ich hätte da eine Idee, sagte ich. "Nur zu, nur zu," erwiderte er ermunternd. Ich fände es wunderbar, sagte ich, wenn es eine Art "Ferien vom Tod" geben könnte. Konkret könnte das so sein, dass unsere geliebten nahen Menschen vielleicht zweimal im Jahr für eine Woche oder so zurückkommen könnten. Das wäre so toll. Ich möchte so gerne erzählen, was unterdessen alles passiert ist, wie diese und diese Geschichte weitergegangen ist, wie sich Sachen entwickelt haben, die wir zusammen immer verfolgt hatten. Super wäre das. "Soso, Ferien vom Tod," sagte er, und ein leichtes Schmunzeln schien auf seinem Gesicht zu liegen, "ich werde das an der nächsten Sitzung mal in die Runde geben." "Jetzt muss ich aber gehen," schloss er und schüttelte sich die kleinen Ästchen aus dem Pullover, "war nett, Sie kennenzulernen. Bis später".

Gedanken eines Rentners #15: Ich habe meinen Organismus um Einsicht in die Bücher gebeten. Ich wollte wissen, wieviele Stellenprozente nötig sind, um mein Funktionieren zu ermöglichen. Es ist enorm! Dass in Herz und Lunge 24-Stunden-Betrieb gewährleistet sein muss ist ja offensichtlich. Aber bei den heutigen Anstellungsbedingungen mit geregelter Arbeits-, Freizeit und Ferienregelung ist nur schon das ein riesiger Apparat. Dass viele Muskeln und Sehnen nur Teilzeit arbeiten leuchtet ein, aber selbst da ist immer Bereitschaftsdienst. Und das funktioniert ja meistens reibungslos. Sehr selten schläft mir ein Arm oder ein Bein ein und ist für kurze Zeit nicht einsatzfähig. Das anschliessende Kribbeln deutet darauf hin, dass hier die fehlbaren Arbeitnehmenden sofort zur Rechenschaft gezogen werden. Es ist ja völlig klar, aber mir war trotzdem nicht aktiv bewusst, wie alt meine Organe und ihre Mitarbeitenden sind. Kündigungen gibt es wenig, kleinere Ausfälle können meist gut kompensiert werden, aber die Überalterung ist ein grosses Problem. Die Folgen sind schnellere Ermüdung, längere Erholungszeiten, verpasste Wartungsarbeiten. Ich konnte Einblick nehmen in das Arterien- und Venensystem: überall Ablagerungen, Verkalkungen, zum Teil marode Streckenabschnitte. Auch die Kanalisation: beschädigte Wandelemente, entzündete und verschleimte Tunnelelemente, Polypen, Stalaktiten und so weiter. Riecht nicht überall gut, sieht zum Teil schlecht aus, funktioniert aber immer noch alles recht gut. Aber im Gehirn bin ich schon erschrocken. Da macht sich die Überalterung stark bemerkbar. Da geht alles so langsam, in Teilbereichen ist eine grosse Müdigkeit spürbar, viele Mitarbeitende sitzen plaudernd herum, scheinen nicht mehr recht zu wissen, was sie zu tun haben. Ab und zu flitzt ein schöner Gedanke durch die Gänge, schickt das Auge ein wunderbares Bild, das Ohr eine bewegende Tonfolge, und schon kommt wieder Bewegung ins Ganze, die alten Archivare und Neurotransmitterinnen haben plötzlich ein Lächeln im Gesicht und neuen Schwung in den Hüften. Ja. Ich bin beeindruckt und auch ein wenig erschüttert. Die Komplexität ist enorm, die Zusammenarbeit und Arbeitsmoral im Gesamtsystem sehr gut, aber der Aufwand ist gross. Die Anzahl der Stellenprozente ist krass. Es braucht so viel, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Neue Mitarbeitende werden keine eingestellt. Ich kann nur hoffen, dass in nächster Zeit kein grosser Stellenabbau geplant ist. Um das herauszufinden habe ich die Strategie- und Planungsabteilung besucht. Da wurde mir aber die Einsicht in die Bücher verwehrt.

Gedanken eines Rentners #14: Er sei müde und frustriert, sagte mir gestern mein Badezimmerspiegel. Seit Jahren sei er gewissenhaft an der Arbeit. Nie habe er etwas weggelassen oder hinzugefügt, kein Ohr, keine Augenbraue, nichts. Nie habe er gesagt: "Komm' später wieder, ich bin jetzt müde", auch mitten in der Nacht nicht. Nie habe er gesagt: "Was, jetzt kommt Ihr gleichzeitig zu zweit?". Nie habe er gesagt: "Du siehst schrecklich aus heute Morgen", oder: "Du könntest Dir mal wieder die Haare schneiden", oder: "Drück' Dir doch endlich diesen Mitesser aus", oder: "Mein Gott, dieser Pullover steht Dir überhaupt nicht", oder: "Jetzt kommst Du heute schon zum fünften Mal". Kommentarlos, fehlerlos und scheinbar emotionslos habe er gearbeitet, Jahr für Jahr, ohne auch nur einen Ferientag. Oft habe er gedacht: "Lasst mich doch in Ruhe, ich habe heute keine Lust", oder "Schau' doch nicht immer so übellaunig, das macht mir überhaupt keine Freude", aber nie habe er gestreikt, nie auch nur eine Sekunde gezögert zu zeigen, was sich vor ihm abspielte, obwohl er sich oft gefragt habe, was denn das nun wieder solle. Aber jetzt sei genug. Es sei nun an der Zeit, eine eigene Meinung zu haben, sich selber zu verwirklichen. Ich solle also nicht überrascht sein, wenn er in Zukunft das Bild ein wenig interpretiere, vielleicht dem Hemd eine andere Farbe gebe, der Nase eine andere Form, der Frisur ein wenig Pfiff. Das sei doch auch für mich interessanter und ich sei dann viel gespannter, was er mir heute zeigen werde und vielleicht auch ein wenig entspannter, weil ich dann nicht mehr alles für bare Münze nehmen müsse. Dann schwieg er für einen Moment und sagte mit einem feinen Lächeln: Ein Recht aber habe er die ganzen Jahre durchgesetzt und ich sei mir wahrscheinlich der Konsequenzen gar nicht bewusst: Er habe immer alles spiegelverkehrt gezeigt.

Gedanken eines Rentners #13: Ich habe mir den kleinen Zeh an einem Stuhlbein gestossen. Das tat verdammt weh. Also wirklich verdammt weh. Da ist mir einiges durch den Kopf gegangen. Erstens wurde ich unglaublich schnell über den Schmerz informiert, die Schmerzübermittelnden haben mir das sofort mitgeteilt. Die waren also hellwach, und es war spät am Abend. Eindrücklich. Zweitens habe ich mich gefragt, wen denn nun eigentlich der Schmerz schmerzt. Nichts gegen meinen kleinen Zeh, aber wenn der so dumm ist, sich irgendwo anzustossen, soll er halt die Konsequenzen tragen. Was geht mich das an? Oder besteht da eine "Solidarhaftung" und der ganze Körper muss büssen, wenn irgendwo etwas los ist? Und was ist eigentlich genau so ein Schmerz? Wenn ich genau hinfühle, ist da ein Stechen, ein Pochen, ein Druck. Jedenfalls unangenehm. Sehr unangenehm. Also: Schmerztablette. Sofort. Aber für wen ist eigentlich die Schmerztablette? Ist sie für meinen Zeh? Trägt da irgendwer den Wirkstoff hinunter und stillt den Schmerz, beseitigt ihn, löst ihn auf? Oder besänftigt die Tablette nur die Schmerzübermittlerinnen und -übermittler, die das alles so schnell und einwandfrei gemeldet haben – vielleicht sitzen sie dann betäubt in ihren Übermittlungskanälen und ich könnte mir gefahrlos den grossen Zeh auch noch anstossen? Oder ist sie für meinen Kopf und stellt da eine Kippsicherung wieder auf "schmerzfrei, alles in Ordnung"? Wäre ja eigentlich gemein, wenn der kleine Zeh immer noch grosse Schmerzen hätte, ich hingegen wegen der Schmerztablette meine Ruhe. Wenn ich sage "der kleine Zeh" und "ich hingegen", scheine ich davon auszugehen, dass ich nicht mein kleiner Zeh bin. Daher natürlich die Frage: Falls das so sein sollte, wo beginne "ich" dann eigentlich? Beim Knie, beim Becken, beim Rücken? Oder bin ich einfach der, der mitbekommt, was da alles so läuft, im Zeh, im Knie, im Becken, im Kopf? Der den Schmerz spürt und das Wohlbefinden und ja, einfach so alles, was da so geschieht. Aber was bin ich dann genau und wo wohne ich in diesem Körper? Der Zeh scheint weit weg und der Kopf so ziemlich nahe. Wohne ich also im Kopf? Aber falls ich im Kopf wohne: wo denn genau? Und ist es dort nicht wahnsinnig dunkel? Und wieviel Platz brauche ich denn da? Darüber muss ich noch ein wenig nachdenken. Der Schmerz ist übrigens unterdessen weg.

Gedanken eines Rentners #12: Gestern hatte ich ein interessantes Gespräch. Ich sass auf dem Balkon mit einer Tasse Kaffee und da kam ein Gedanke. "Hallo", sagte ich, "was machst Du hier? Ich möchte eigentlich lieber allein sein.". "Soso, Du möchtest lieber allein sein?", sagte der Gedanke mit einem schelmischen Lächeln. "Ja, gerne, nur etwa eine Viertelstunde", sagte ich. "Du weisst aber schon, dass ich komme und gehe, wann und wie ich will, oder?" "Ja, das weiss ich, aber es stört mich schon lange!" Und wie das bei Gedanken so ist, bald kamen ein paar andere dazu und standen interessiert um uns herum. "Du möchtest also gerne, dass wir nur kommen, wenn Du uns rufst und auch dann nur diejenigen von uns, die Du gerne hast?". "Ja, das wäre mir am liebsten so". Immer mehr Gedanken standen um uns herum und das machte mich ein wenig nervös. "Wenn Ihr nun mal alle schon da seid, möchte ich Euch sagen, dass mich das schon seit Jahren stört. Ihr seid rücksichtslos und aufsässig. Tag und Nacht, ständig kommt mindestens einer von Euch, unterbricht meine Konzentration oder stört meine Ruhe. Mitten in einem Gespräch, auf der schönsten Wanderung, an einem wunderbaren Konzert, beim intensiven Lesen... ständig kommt Ihr. Das nervt mich extrem! Wenn wenigstens nur gute und schöne Gedanken kommen würden, aber nein, Ihr macht immer alles kaputt.". "Kaputt, kaputt, kaputt," brabbelte ein ganz kleiner Gedanke vor mir. "Die, die ich gerne hätte, kommen fast nie und die, die ich nicht will, kommen ständig wieder!". Ich redete mich nun in Rage. "Und übrigens: Ich habe jetzt einen Kurs in Gedankenkontrolle angefangen!" "Ja, das haben wir gemerkt," sagte der Gedanke mit einem Schmunzeln. "Hier gibt es gar nichts zu grinsen", sagte ich empört. "Der Himmel sagt, er möchte keine Wolken mehr, vor allem keine dunklen, nur noch Schäfchenwolken", sagte dann ein junger Gedanke mit Brille in der zweiten Reihe und da fingen andere an zu johlen. Beschwichtigend sagte nun der Gedanke, mit dem das ganze Gespräch angefangen hatte: "Jetzt reg' Dich doch nicht gleich so auf. Es ist nun mal unsere Art, zu kommen wann immer wir wollen und zu bleiben, so lange wir wollen. Das kannst du nicht ändern." Ein anderer rief dazwischen: "Du musst uns halt nicht einsperren, sonst fangen wir an zu stinken.". "Stinken, stinken, stinken", brabbelte nun der Kleine. Jetzt hatte ich genug. Und der Kaffee war unterdessen kalt.

Gedanken eines Rentners #011: "Stör' mich nicht, ich denke nach!". Der Verstand möchte verstehen.  "Sie wirkt immer so nachdenklich.". Was passiert denn hier eigentlich? Wir haben einerseits die Fähigkeit zu denken und anderseits einen Zeitbegriff. Es gibt ein Jetzt, ein Vorher und ein Nachher. Ich weiss nicht, ob das bei Tieren auch so ist. "Oh, gestern war ein wunderschöner Sonnenuntergang. Der Vollmond vor zwei Monaten war aber noch eindrücklicher. Morgen werde ich eine Gazelle jagen", sagt der Löwe... Wir jedenfalls können (oder müssen) denken. Aber während wir mit Nachdenken beschäftigt sind, geschieht das, was jetzt geschieht, und wir müssen später wieder darüber nachdenken. Wir sind also immer ein wenig spät dran. Oder zu früh? Denn seltsamerweise denken wir ja vor allem über die Zukunft nach, also über etwas, das gar noch nicht ist. Denn die Zukunft ist ja das "auf uns zu kommende", also etwas, auf dessen Kommen wir wenig Einfluss haben. Den heutigen Vormittag damit zu verbringen nachzudenken, was denn wohl in zwei Wochen sein wird, mag ja ein schöner Zeitvertreib sein (falls man die Zeit vertreiben will), mehr aber eigentlich nicht. Gegenwart heisst ursprünglich "anwesend sein". Wenn ich jetzt nicht anwesend bin, kann ich ja gar nicht erleben, was jetzt ist und muss später versuchen, es nach-zu-denken? Soweit so gut. Falls das alles zu anstrengend ist: Es gibt ja noch die "Vordenker" (ja, meistens sind es Männer). Das ist bequem und entlastend. Aber wenn plötzlich viele einem Vordenker folgen ohne selber zu denken, macht das auch wieder nachdenklich.

Gedanken eines Rentners #010: Ich muss noch einmal auf das Gehirn zurückkommen. Ich habe vor allem das Archiv beim letzten Mal nicht wirklich gut beschrieben. Es ist nämlich doch nicht so, dass alles chronologisch und gleichwertig abgelegt wird. Mir ist aufgefallen, dass es Bereiche gibt, die abgesperrt sind, Bereiche, deren Zugang verschüttet scheint und sogar Bereiche, die bewacht sind. Ich habe Erinnerungen gesehen, die versuchen, sich "schön zu machen", Eindrücke, die in Selbstgespräche verwickelt sind, Gefühle, die sich ständig um sich selber drehen und einige, die sich ein Versteck zu suchen scheinen. Es scheint auch eine übergeordnete Struktur zu geben, denn die Archivierenden arbeiten sehr gezielt. Irgendjemand muss ihnen doch sagen, was wo abgelegt werden soll, was vollständige Bewegungsfreiheit erhält und was in die hinteren und schwer zugänglichen Bereiche verbannt wird. Ich habe trotz mehrmaliger Nachfrage immer nur die Antwort erhalten, die Weisungen kämen "von oben". Dem Archiv vorgelagert sind verschiedene Amtsstellen. Das Amt für innere Sicherheit zum Beispiel oder das Amt für Religion und Ethik. Nahe am Ausgang dann die Fachstelle für Meinungsbildung. Da war unglaublich viel los. Es ging zu und her wie an der Börse. Es wurde geschrien und gefuchtelt, sogar Handgreiflichkeiten waren zu sehen und es schien kaum vorstellbar, dass hier auch besonnenere Töne eine Chance haben könnten. Ja. Genug jetzt. Es gäbe noch so viel zu erzählen. Von den kleinen Boutiquen zum Beispiel, die schön verpackte Endorphine anbieten oder die Strassenhändler, die Anmeldungen für Yogakurse entgegennehmen. Ganz zu schweigen von den Gehirne-Wasch-Salons an jeder Ecke. Ich kann leider nicht auf alles eingehen. Zum Schluss nur noch dies: Der freundliche ältere Herr am Empfang sagte mir beim Gehen: "Kommen Sie mal nachts vorbei! Dann schlafen die Wachen und hier ist der Teufel los!"  

Gedanken eines Rentners #009: Ich hatte gestern die Gelegenheit, an einer Führung durch mein Gehirn teilnehmen zu dürfen. Das war unglaublich interessant. Den Eingangsbereich bildet die Abteilung zur Einordnung der Eindrücke. Da ist enorm viel Betrieb. Was da durch die Augen, die Ohren, die Nase, die Haut und alle anderen Sinne reinkommt ist unbeschreiblich viel und wird sofort registriert und an die entsprechende Unterabteilung weitergeleitet. Dort wird entschieden, ob reagiert werden soll, ob der Eindruck wichtig genug ist, um weiter bearbeitet zu werden oder ob er unverzüglich abgelegt wird. Die Kriterien habe ich nicht begriffen, aber die Fülle ist enorm. Am meisten erstaunt hat mich, dass die Abteilung der inneren Eindrücke grösser ist als die Abteilung der äusseren Eindrücke. Was durch die Sinne kommt ist schon enorm, aber was da innerlich an Erinnerungen, Gefühlen, Reaktionen und Wertungen durch die Gänge läuft und sich vorne beim Empfang wieder meldet, ist unbeschreiblich. Die Mitarbeitenden müssen ständig abwägen, was wichtig genug ist, um in die zentralen Räume vorgelassen zu werden und was abgewiesen wird. Das scheint nicht immer ohne Meinungsverschiedenheiten abzulaufen, denn ich habe auch eine Art Sicherheitsdienst in den Gängen gesehen. Die Arbeitsbedingungen sind nicht einfach, gearbeitet wird ständig ohne Tageslicht und alleine das ist schon sehr ermüdend. Das Ganze ist unglaublich gross, die Signaletik im Eingangsbereich so umfassend, dass ich nur einen Bruchteil der Hierarchie erfasst habe. Da gibt es eine rechte und eine linke Hirnhälfte, Grosshirn, Stammhirn, Departement für Glückshormone, Büros zur Prüfung des Testosteronhaushalts, Abteilung zur Regelung des Serotoninspiegels, statistische Abteilung zur Erfassung der Spurenelemente und so weiter und jede Abteilung hat wieder ihre Unterabteilungen. Am Eindrücklichsten war für mich das Archiv. Es ist unglaublich gross und eigentlich sehr nüchtern. Da wird alles abgelegt. Jedes Erlebnis, jedes Gefühl, jeder Gedanke, ob oberflächlich, überwältigend, euphorisch oder traumatisch, banal oder weltbewegend, chronologisch nebeneinander. Keine Unterschiede, keine Wertung. Ich habe eine Mitarbeiterin im Archiv gefragt, warum gewisse Erinnerungen und Gefühle immer wieder nach vorne geholt werden und andere nie, warum sich gewisse Erlebnisse dermassen in der Vordergrund drängen und andere nicht. Das konnte sie mir nicht beantworten. Ich habe sie dann auch gefragt, warum das Gedächtnis mit dem Alter abnimmt und ich ständig Namen vergesse und nicht mehr weiss, was ich grad' noch sagen wollte. Diese Antwort war für mich sehr interessant: Offenbar werden auch im Gehirn im Laufe eines Lebens immer mehr Stellen eingespart. Das betrifft vor allem das Archiv. Das hat zur Folge, dass der Zugriff auf die Erinnerungen immer langsamer und aufwendiger wird. Und da mit zunehmendem Alter nur noch wenige und vor allem ältere Sachbearbeitende im Archiv arbeiten, wird immer mehr auf alte Erinnerungen und Gefühle zugegriffen, da diese vertraut und griffbereit sind, die neueren aber wegen Personalmangels gar noch nicht in den Gestellen abgelegt sind und somit nicht darauf zugegriffen werden kann. Ja. – Ich wollte jetzt noch einen tollen Schlusssatz schreiben, der ist mir aber grad' entfallen.

Gedanken eines Rentners #008: Eine Familie hatte zehn Kinder. Es ging nun darum, 100 Tafeln Schokolade unter diesen Kindern zu verteilen. Das wurde so gelöst: Ein Kind erhielt 85 Tafeln, zwei Kinder je 4 Tafeln, zwei Kinder je 3 Tafeln und die restlichen fünf Kinder durften die letzte Tafel unter sich aufteilen. Der Vater, dem die Aufteilung übertragen war, wollte es genau so lösen, wie es in der grossen weiten Welt üblich ist, um seine Kinder bestmöglich auf das Leben vorzubereiten. Die Kinder stellten dieses Vorgehen kaum in Frage, nur eines lancierte eine "eins zu zwölf Initiative", wurde aber nur belächelt und hatte keine Chance. Ob 85 Tafeln Schokolade glücklicher machen als der Fünftel einer Tafel, mal abgesehen von den zahnärztlichen Folgekosten, ist nicht Thema dieser Betrachtung. Da es sich aber in der grossen weiten Welt nicht nur um Schokolade handelt, ist das Ganze wohl schon einen Gedanken wert. Im Moment versammeln sich die Weltväter in Davos, aber die Verteilung der 100 Tafeln wird wohl kaum im Vordergrund stehen. Und die Mütter? Die schauen, wie immer, dass alle Kinder irgendwie über die Runden kommen.

Gedanken eines Rentners #007: Nur noch kurz: Wenn wir schon bei Perspektiven sind: Die Eintagsfliege ist ja im Grunde sehr privilegiert. Sie weiss, was Sache ist. Sie kann einteilen. Am Vormittag kann sie zum Beispiel einfach mal rumfliegen und alles auf sich wirken lassen. Farben, Formen, Gerüche, Klänge. Alles so richtig geniessen. Dann vielleicht ein Mittagessen an einem schönen Ort. Warum nicht am See, dort ist es sanft und die Luft ist leicht bewegt. Am frühen Nachmittag ein wenig durch den Wald fliegen, der sieht von weitem so einladend aus, und wirklich, die Grüntöne im Sonnenlicht sind unglaublich, und dieses Sirren und Zischen und Klopfen. Und die Gerüche! Oh, die Zeit vergeht! Noch ein wenig durch die Menschenwelt fliegen. Unglaublich! Stinkt aber ziemlich. Schnell wieder weg. Es nachtet schon ein. Am Waldrand ist es toll. Mond und Sterne steigen langsam auf. Was für ein Glück, sie hätte ja auch einen Regentag treffen können. Wobei, Regen ist ja auch sehr schön. Ich schweife ab. Es wird Nacht, sie schläft ein und merkt gar nicht mehr, dass sie von einem Rotkehlchen gefressen wird. Völlig klare Perspektive! Beneidenswert! Aber wer sagt mir, dass sie weiss, dass sie nur diesen einen Tag hat. Vielleicht weiss sie es ja gar nicht, sitzt auf einem Ahornblatt und überlegt 23 Stunden lang, was sie denn mit ihrem Leben machen soll. Doch nicht so einfach, so von aussen. 

Gedanken eines Rentners #006: Ob von vorne, von hinten, von der Seite, von oben, von innen, es macht einen Unterschied, von wo aus ich etwas betrachte. Eine Frage der Perspektive also. Aber aus welcher Betrachtung werde ich einer Sache nun wirklich gerecht? Ist es die Summe der Perspektiven, die das wahre Bild ergibt, oder eher deren Schnittmenge. Interessanterweise heisst Perspektive im Wortsinn: deutlich erkennen, durchschauen, wahrnehmen. Das Wort scheint also zu sagen, dass die Betrachtung die Bedeutung erschliessen kann und das offenbar auch schon aus einer Perspektive. Wenn wir etwas aus der Vergangenheit betrachten, haben wir das Gefühl, dass dies die wahre Perspektive sei, denn es ist vergangen, wir wissen nun, wie es war, und dieses "war" scheint uns "wahr". Aber das Wort Perspektive meint den Wahrheitsgehalt in verschiedenen Betrachtungswinkeln zu sehen. Das könnte ja heissen, wenn ich mir etwas in der Zukunft vorstelle, kann ich es auch "deutlich erkennen, durchschauen, wahrnehmen", es also auch als "wahr nehmen". Huch, jetzt wird's kompliziert. Und einer, der sich immer in der Nähe der Perspektive aufhält, hat auch noch eine Meinung dazu. Den Fluchtpunkt meine ich: "Punkt in einem perspektivischen Bild, in dem alle Linien zusammenlaufen, die in der realen Welt parallel verlaufen". Das könnte ja heissen, dass wir versuchen, die Linien in einem Punkt zusammenlaufen zu lassen und zu denken, dass wir nun wissen, wie etwas sei, in Wirklichkeit aber die Perspektiven parallel verlaufen und verschiedene Wahrheiten gleichzeitig vorhanden sind. Hmmmm. Ich denke, ich mache hier einen Punkt.

Gedanken eines Rentners #005: Ein Ex-Präsident war einmal Präsident. Eine Ex-Miss-Schweiz war einmal Miss-Schweiz. Aber was war einer, bevor er Experte war? Französisch "Perte", also ein Verlust und jetzt ein Gewinn? Vielleicht. Überhaupt: Wo ist etwas, das einmal gewesen ist? Alle Gedanken, alle Träume, alle Dinge, die nicht mehr sind. Gibt es irgendwo ein riesiges Archiv, in dem alles eingelagert ist oder löst sich alles einfach auf, bleibt noch für eine gewisse Zeit als Erinnerung, als Verbindung von Atomen? Wird das Universum immer schwerer durch all' die Geschichten, durch all' die wunderbaren und schrecklichen Geschehnisse oder bleibt es gänzlich unberührt? 2025 jedenfalls ist jetzt ein Ex-Jahr und 2026 hat die Chance, viele neue Geschichten zu schreiben. Naiv? Ganz sicher. Weil das Vergangene halt doch nicht im Archiv ist. Und da schleppen wir einiges mit aus dem vergangenen Jahr. Oh, ja. Und das Bundesratsfoto 2026? Ältere Herren. Bequem, satt und sattelfest. Dahinter zwei Frauen, ein wenig unsicher dastehend. Sind sie die Sekräterinnen dieser Herren? Und ganz im Hintergrund vier junge Menschen, die das Ganze beleuchten und in Szene setzen dürfen. Steht da nicht die Zukunft zu weit im Hintergrund? Aber ich schweife ab. Zurück zum Anfang: Im Englischen ist das "it", das jetzt ist, das "it is". Wenn es nicht mehr ist, ist es das "it was", oder halt eben das Ex-it.

Gedanken eines Rentners #004: Heute nur kurz und vielleicht ein wenig banal: Aus unerfindlichen Gründen ist an diversen Orten der Buchstabe "T" abhanden gekommen. Die Folgen sind sowohl erhellend wie entstellend. Dass fehlende Treue in Reue münden kann überrascht wohl kaum. Dass sich Terror als Error erweist ist auch bekannt. Bei Traum ist es nicht so gravierend, da ja auch Raum sehr viel offen lässt. Dass sich abnehmender Verstand in zunehmendem Versand äussert ist hingegen bedenklich, freut aber natürlich Galaxus und Co. Im selben Wortstamm: Dass sich die Versehen häufen, je weniger wir verstehen, ist auch nachvollziehbar. Genug jetzt. Es zeigt sich einfach, dass wir alle Buchstaben brauchen, sonst wird's schwierig. Ein Plädoyer für die Artenvielfalt und gegen die Monopolisierung. Punk.

Gedanken eines Rentners #003: Gerade noch dies: Über die Festtage ist es ja oft kaum zu vermeiden, dass wir zuviel essen. Vorspeisen, Hauptspeisen, Dessert und wunderbarerweise noch viele Weihnachtsguetzli. Da ist in meinen Augen Intervall-Fasten eine ganz vorzügliche Lösung. Ich schlage folgendes vor: Versuchen Sie, eine Woche lang jeden Tag auf ein Intervall zu verzichten. Zum Beispiel: 26. Dezember: Verzicht auf grosse Terzen. Ein fröhliches Intervall, ich weiss, aber es ist ja eine besinnliche Zeit. 27. Dezember: Verzicht auf kleine Terzen. Hellt auf, füllt die Leere nach den Weihnachtstagen. Undsoweiter. Jeden Tag verzichten Sie auf ein Intervall. Ausser auf die Quinten. Geben Sie jeden Tag ein wenig Quint-Essenz in eine Tasse Kräutertee. Ich bin sicher, nach ein paar Tagen wird sich Ihr Wohlbefinden markant steigern und Sie haben im neuen Jahr wieder alle Intervalle zur Verfügung.

Gedanken eines Rentners #002: Es beschäftigt mich seit Monaten. Beschäftigt und bedrückt mich. In einem Mass, das ich nie für möglich gehalten hätte, steigt "das Böse" in der Welt. Es darf gelogen werden auf höchster Ebene, beleidigt, erniedrigt, bedroht, bekriegt. Statt Strafe erntet man Ämter und Machtpositionen. Darum habe ich vor mehreren Wochen eine breit angelegte Studie in Auftrag gegeben, um den Gründen für diesen weltweit exponentiell steigenden Empathieverlust auf die Spur zu kommen. Modernste Untersuchungsmethoden kamen zum Einsatz. Es wurde unter anderem in hohem Masse mit KI (Küngscher Intelligenz) gearbeitet. Das Ergebnis hat mich sehr überrascht und darum möchte ich es gerne mit Euch teilen: Der Grund für die weltweite Zunahme an negativer Energie sind die Erdsondenbohrungen für die modernen Heizsysteme. In einer grossen Anzahl der untersuchten Gelände wurde festgestellt, dass neben der sorgfältigen Vermeidung der Verletzung von Grundwasser-, Tunnelsystemen und heiklen Gesteinsformationen die potenzielle Verletzung der sogenannten Höllenhülle völlig ausser Acht gelassen wurde. Fatal. Es entweichen negative Energien in unvorstellbaren Mengen (Stichwort: drill, baby, drill). Grössere Verletzungen wurden weltweit festgestellt. Washingon, Mar-A-Lago, Moskau, Istanbul, Budapest..., aber auch in der Schweiz, in nicht geringem Masse, auch in SVP (sofgfältig-verborgenen-Parzellen). Inwieweit diese entweichenden negativen Energien verpuffen oder zunehmen werden ist Gegenstand weiterer Untersuchungen. Erstes Fazit: Fortschritt hat wie immer seinen Preis. PS: Dies ist eine zugelassene Verschwörungstheorie. Lassen Sie sich von einer Fachperson beraten und lesen Sie die Packungsbeilage.

Gedanken eines Rentners #001: Ich muss vorausschicken, dass ich seit Sonntagnacht mit hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen im Bett liege. Das sind doch nun schon drei ganze Tage, und ich habe beschlossen, das nicht mehr einfach hinzunehmen. Ich habe heute morgen eine Sitzung aller Organe einberufen mit dem Ziel, vom Krankheits- in den Gesundheitsmodus zu wechseln. Das war in vielfacher Hinsicht sehr interessant. Erstens war ich überrascht und beeindruckt, wieviele Organe im Saal waren und auch auf die Stimmung war ich nicht vorbereitet. Die Stimmung war irgendwie sehr "selbstbewusst". Jedenfalls kam auf meinen Antrag gleich die Gegenfrage, wer meiner Meinung nach hier der Chef sei. Nach dreimal leer schlucken sagte ich, dass ich schon davon ausgehe, das ich das sei. Darauf war an mehreren Stellen im Saal ein Kichern, wenn nicht sogar ein hämisches Lachen zu hören. Warum ich eigenmächtig Spezialeinheiten der Neo-Citran-Nationalgarde eingesetzt hätte. Ein wenig kleinlaut meine Antwort, ich hätte doch das Recht, alles zu tun, um die Gesundheit wiederherzustellen. Soso, das Recht dazu, war vereinzelt zu hören. Herz und Hirn waren irgendwie die Rädelsführer. Ich bin zwar relativ unhinterfragt davon ausgegangen, das ich wenigstens das Hirn sei, aber was hier von diesem Hirn vorgebracht wurde, kam sicher nicht aus meiner Küche. Der Gipfel war, dass ebendieses Hirn die Sitzung eigenmächtig mit dem Fazit beendete, dass man das Beste tun werde und ich mit meiner Selbsteinschätzung doch bitte über die Bücher gehen solle. Das fand ich nun doch recht frech, muss aber sagen, dass ich nun in der Befehlshierarchie der Organe absolut verunsichert bin und nicht mehr weiss, wo denn mein Platz im Ganzen ist. Was wiederum die Frage stellt, wer ich denn eigentlich genau bin. Der Chef jedenfalls bin ich nicht. Und jetzt gehe ich wieder ins Bett.
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